Winter klopft an

Donnerstag, 25. September, München

Um mich herum ist reger Betrieb. Menschen gehen vorüber, lachen, unterhalten sich oder sitzen wie ich auf einer der zahlreichen Bänke. Mittagszeit in München. Ein typischer Herbsttag in der Millionenstadt Ende September. Schon wieder ein ganzer Monat fast vorbei. Wie doch die Zeit vergeht. Auch ich sitze auf einer der grünen Parkbänke im Schatten, was heute aber völlig egal ist, denn um diese Uhr- und Jahreszeit ist einfach überall Schatten. Eine angenehme Kühle kriecht meine Hosenbeine hinauf und schüttelt meinen Körper. Ich hacke diesen Text in die Tasten meines Notebooks. Den Entstehungsprozess kommentieren und dokumentieren. Vom Kopf hinein in das Schreibprogramm und später ins Internet. So mache ich das immer. Selbst hier draußen gibt es sicherheitsaktivierte W-Lan-Netzwerke. Toll. Zwischen Produktion und Veröffentlichung liegen meist einige Stunden, denn einen Text direkt ins Netz zu posten kommt nicht in Frage. Ich gehe jeden Artikel separat durch, bevor er in mein Blog wandert. IMMER. Spielende Kinder tollen vor mir auf der Wiese herum. Die Kleinen sammeln Herbstlaub. Trocknen, pressen und auf weiße Papierbögen kleben. So haben wir das früher zumindest immer gemacht. Zwei Mädchen bewerfen sich gegenseitig mit nussbraunen Kastanien, bis eines weint. Diese Unbekümmertheit fasziniert mich immer wieder. Kinder leben einfach so in den Tag hinein, müssen sich über fast nichts Gedanken machen, haben kaum Nöte und Sorgen. Wenn ihnen einer dumm kommt, dann gibt`s mit der Schaufel eins in die Fresse. Herrlich. Da wird nicht lange gefackelt, diskutiert oder debattiert. Das ist der Naturzustand, das Recht des Stärkeren. Ich lerne Hobbes besser zu verstehen. Ich genieße den herrlichen Herbsttag, verweile noch einige Zeit auf meiner Bank, während sich die Welt um mich herum wieder einmal ein Stück weiter dreht. Vögel zwitschern in den Bäumen und zwei Hunde liefern sich eine kleine Rangelei auf der großen Wiese. Das liebe ich an München: Man ist zwar mitten in der Stadt, aber findet doch immer ein kleines Fleckchen Natur, ein wenig Grün, auf dem man für ein paar Augenblicke die Seele baumeln lassen kann. An nichts denken, den Kopf frei machen, die Gedanken aussortieren. Die innere Leere tut unglaublich gut, denn für wenige Minuten vergesse ich die irdische Welt. Endlich bricht die Sonne durch die dichte Wolkendecke...nur ganz kurz, aber sie ist da. DIE SONNE. Dann gewinnen die Wolken wieder die Oberhand und mir wird es doch ein wenig zu kalt. Der Winter naht, zwar noch weit in der Ferne, aber doch bedrohlich nahe. Ich stehe auf und gehe in Richtung Fußgängerzone. An dieser Stelle schließt der Text. SPEICHERN.

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