God is a DJ

Mittwoch, 03. September, München

Der Rave beginnt...alle stehen sie unten auf der Tanzfläche und warten auf mein geheimes Zeichen, die ersten Takte dieses Abends. Mit Daumen und Zeigefinger forme ich einen kleinen Kreis...das ist es, mein Signal. Alles in Ordnung, Zeit zum Abtauchen. Die Geste habe ich mir sowieso bei den Tauchern abgeschaut und mit ihr eröffne ich die Abende. Es kann los gehen. Verschmitzt lächle ich der Menge zu, die unruhig wird, zu zappeln beginnt und regelrecht unter Strom zu stehen scheint. Ich habe die Macht, das Feuer zu entzünden. Burn! Ich spiele die ersten Takte und die Menge beginnt sogleich zu johlen. Ihr wollt tanzen? Ihr sollt tanzen! Panem et circenses...die Nacht beginnt. Ich schiebe mir lässig die Kopfhörer über beide Ohren und lausche der Musik, bestimme den Takt, gehe mit dem Rhythmus und pitche die Scheiben und damit auch die Musik, so wie ich sie brauche. Das funktioniert großartig. “Ich sag` ab geht die Party und die Party geht ab!” Alles tanzt, sich bewegende Leiber...Ekstase. Ich sehe sie und auch sie tanzt, schwerelos, locker, leicht. Ihre Hüften vibrieren heftig im Takt der Musik. Ich kann sie steuern, bin der Strippenzieher, der Marionettenspieler und sie hängen alle an meinen Schnüren, machen das, was ich will...Tanzen! Ich genieße die Kontrolle. Ich kann kaum glauben, dass sie heute hier ist. Dabei war sie doch gerade erst wieder in Südafrika, zum ersten mal nach vielen Jahren. Und wie sie tanzt...ihr Körper und ihr Unterleib zucken heftig unter dem Einfluss der Musik. Dabei kann ich immer noch eine Schippe drauflegen, noch schneller noch größer werden, bis es zur Explosion kommt, alles in Flammen zu stehen scheint und die Lichter um uns immer greller werden...Bunte Blitze zucken durch den Raum, bevor alles vorüber ist. So geht es den ganzen Abend. Ich komme heftig ins Schwitzen, gehe mit ihr und der Menge ab, lege musikalische Brände im ganzen Raum, brenne ein regelrechtes Feuerwerk ab. Party-People. Schließlich graut der Morgen und draußen beginnen die ersten Vögel zu zwitschern. Wir drinnen haben seit einer Stunde aufgehört zu feiern. In drei Wochen wird sie wieder auf dem schwarzen Kontinent sein. Das sagt sie, als sie irgendwann zwischen drei und vier Uhr morgens zu mir ans DJ-Pult tritt. Wir sind beide total verschwitzt, aber trotzdem drückt sie mir sanft einen Kuss auf die Wange und bedankt sich für den schönen Abend. Intimer Moment...ich bin glücklich.
Gedankenverloren komme ich in der Bibliothek zu mir, als mir jemand von hinten die Hand auf die Schulter legt. Ich zucke kurz zusammen. Es ist Sophie! Nächste Woche wird sie wieder da sein. Dann wollen wir gemeinsam einen Kaffee trinken gehen. “For tonight, God was a DJ!”

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