Psychologie heute

Dienstag, 22. Juli, München

Gelangweilt blättere ich in einer Zeitschrift für Psychologie...ausgeliehen in der Bibliothek. Ich sitze in der S-Bahn, bin auf dem Weg zur Universität und halte dabei einen dampfenden Becher Kaffee in der Hand. Heller Rauch steigt vom dem weißen Pappbecherrand auf und der angenehme Geruch von gemahlenen Kaffeebohnen schmeichelt meiner Nase. Ich beginne Stück für Stück aufzuwachen und mich langsam für die Artikel in der Zeitschrift zu interessieren. Schüchternheit, Traumdeutung, Seelenheil. Eine interessante Themenauswahl.
Alles läuft nach Plan...das ist das Problem. Ich denke mir oft, dass es womöglich besser wäre, wenn von verschiedenen Seiten Störfaktoren in mein Leben treten würden. Es läuft alles zu perfekt, zu reibungslos, beinahe ölig-glatt. Nirgendwo anecken, sich durch den Alltag winden...Beständigkeit und Konstanz als magische Schlagworte, als Richtlinien dessen, was man Leben nennt. Stiller Schrei...jemanden, der die Ruhe stört. Es wird nicht einfach, denn der Mensch braucht Abwechslung, will beständig bespaßt und unterhalten werden. Da darf kein Trott einkehren, ein Fehler im todsicheren System. Der Quellcode der Matrix muss geändert werden. Wenn alles nach Vorgabe läuft, wo darf sich dann der “Bug” einschleichen, der den Rhythmus stört und das System zur Aufgabe zwingt? Ich suche den, der mir diesen Fehler hinein programmiert in mein narrensicheres System. UNANTASTBARKEIT...UNSTERBLICHKEIT. Was läuft da ab? Locker werden, wie freitags, nur ohne Alkohol. Reibungslosigkeit unterbinden durch Kontaktsuche. Leute ansprechen, Kritik ernten, Fehler eingestehen und das alles genießen. Erste Schritte auf dem Weg zur wiedergewonnenen Selbstsicherheit., Restauration. Die eigenen vier Wände im Kopf renovieren. Alles neu streichen...Tapetenwechsel.
Ich lege die Zeitschrift auf den leeren Platz neben mir und schließe die Augen. Gute Vorsätze...mal sehen, ob ich sie halten kann und was sie bringen werden...wenn überhaupt. Als ich meine Augenlieder wieder öffne und ins Licht blinzle, lächelt mir die junge Frau, die in der Zwischenzeit auf dem Platz gegenüber sitzt, zu.

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