Follow the white rabbit

Samstag, 19. Juli, München

Es war alles ein bisschen zu viel geworden, denn eigentlich war es das nicht wert. Trotzdem ist es passiert.
Ich hänge nahezu alleine auf diesem Sommerfest rum, das die, die ich kenne, heute anscheinend meiden...außer einem alten Freund, mit dem ich Abitur gemacht habe und der nun mit mir studiert, ist keiner gekommen, den ich gerne hätte sehen mögen. Er bleibt auch nur wenige Minuten und ein echter Partyhengst war er ja noch nie gewesen. Ich halte mich an diesem Abend lieber an das Freibier, das ausgeschenkt wird...die Feier sonst ist schrecklich. Eine Altherren-Combo spielt seltsamklingende Oldies...einer hat sich ein silbernes Blech umgeschnallt, auf dem er mit zwei Silberlöffeln entlang streicht. Bizarr. Der Typ hinter der Theke denkt mittlerweile sicher, dass ich Alkoholiker bin, aber man muss halt öfter vorbeikommen, wenn es das Bier in 0,33 Liter Flaschen gibt. Später treffe ich doch noch einen Bekannten und wir unterhalten uns etwas, ehe ich mein letztes Bier, das sogenannte Weg-Bier, ordere und mich auf den Weg zum Bahnhof mache. Ich will weiter gen Osten zu einem anderen Sommerfest. Am Ostbahnhof angekommen muss ich mich zunächst durchfragen, um die Straße in der es stattfindet überhaupt zu finden...immerhin bin ich ja auch schon mächtig angetrunken. Ein älterer Mann mit hoher Fistelstimme erklärt mir den Weg und wir unterhalten uns noch etwas über seine schweren Beine und den längeren Krankenhausaufenthalt Anfang des Jahres. Über Umwege erreiche ich schließlich mein Ziel...noch ist was los, ein paar Leute sind geblieben, aber viele auch bereits gegangen oder gerade am Gehen. Ich hole mir rasch Bier und erfahre, dass in den Räumen nebenan ein Mädchen mit ein paar Freunden Geburtstag feiert. Eine gute Gelegenheit interessante Leute zu treffen, denke ich mir, und betrete das Zimmer, in dem die Gastgeberin und ihre Freunde angeregt feiern. Wie auf Schienen habe ich den Weg gefunden. Eine unsichtbare Kraft scheint mich hier her geführt zu haben. Instinktiv halte ich nach dem weißen Kaninchen Ausschau. Hinter der Türschwelle tauche ich ein in eine fremde Welt...Enter the Matrix..

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