Der Moment

Dienstag, 15. Juli, München

Was für ein Tag! Ultra komplex, dicht und bis obenhin vollgestopft mit Eindrücken und Erlebnissen. Ich weiß beinahe nicht, wo ich beginnen soll. Sechs Semester an der Universität ist eigentlich eine sehr lange Zeit. Ich bin oft dort, weshalb ich viele Leute kenne...vorwiegend Frauen, was wohl an meinen stark feminin geprägten Studienfächern liegt. Schon früh am Morgen geht es los: bekannte Gesichter kreuzen meinen Weg in die Vorlesung...am U-Bahnhof schnell noch einen Becher Kaffee mit auf den Weg genommen...Nervennahrung-flüssig...Sie getroffen...Smalltalk, nichts weiter. So geht das. Rückkehr aus dem Englischen Garten...es reicht wieder nur für ein ganz kurzes Gespräch: “Neues Semester schon geplant?” - “Nee, noch nicht...erstmal Urlaub und schauen, was kommt.” - “Na dann alles Gute!” - “Danke, dir auch!”. Ich setze meinen Weg fort, treffe erneut ein Mädchen. Sie hat ihren Bus verpasst, darum bleib Zeit zu reden. Ein tieferes Gespräch...essentiell. Ich soll mich doch in den Ferien mal melden und dann trinken wir mal nen Kaffee zusammen. Gute Idee...genau das werde ich tun.
Nach kurzem Aufenthalt in der Bayrischen Staatsbibliothek treffe ich sie...die wichtigste Person des heutigen Tages...in der Cafeteria mittags zum Essen. Endlich einmal. Schon vormittags hatte ich auf ihre Sms gewartet. Ich sprinte zu ihr...am Nachmittag hat sie noch eine Prüfung. Beistand. Ich hatte Hunger, doch der ist nun weg. Sie, die vor nicht allzu langer Zeit in Südafrika war, hat sich einen Salat geholt und isst schon, als ich komme. Mein Appetit ist verflogen, ich beobachte nur noch sie und hole mir erneut einen großen Kaffee in einem gelb-blauen Pappbecher. Appetitlosigkeit als Bestandteil dessen, was man wohl Liebe nennt. Ich habe die ganze Zeit nur Augen für sie...dummerweise höre ich bei dem was sie sagt manchmal nicht ganz genau hin. Mich fasziniert ihr Zungenpiercing, das immer dann glitzert, wenn sie spricht. Und obwohl ich so etwas eigentlich hasse, finde ich es bei ihr toll. An ihr ist einfach alles toll. Schließlich muss sie zu ihrer Prüfung, weshalb wir aufstehen und gehen. Während der Umarmung raune ich ihr ein sanftes “Viel Erfolg!” über die Schulter und schließlich gehen wir beide getrennte Wege. Zuvor jedoch konnte ich noch einmal einen Blick auf den metallenen Stecker in ihrer Zunge werfen.

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