Eine Abhandlung über Geld

Dienstag, 24. Juni, München

Ich betrete die Bank mit der Gewissheit, dass ich, wenn ich wieder rauskomme, einen Haufen Geld in der Tasche haben werde. Es ist ein heißer Tag. Die Kontoauflösung ist fällig. Ich will die Kohle, die ich vor zwei Jahren während der Weltmeisterschaft zu Sonderkonditionen angelegt habe. 170 Euro Gewinn konnte ich damit machen. Nicht schlecht. Die Funktion die Geld in unserer postmodernen Gesellschaft hat, wird allgemein stark überbewertet. Wieder auf der Straße halte ich nichts als zwanzig, mit bunten Zahlen bedruckte Streifen Papier in den Händen. Ich verstaue alles in meinem Rucksack und gehe die Fußgängerzone entlang. Es ist ein seltsames Gefühl…eigentlich fühle ich nichts. Ich dachte, ich würde Freiheit in mir spüren, bei dem Batzen Geld…die Welt würde mir offen stehen. Doch irgendwie…komisch. Alle jagen hinter Geld her und es ist sicher gut, eine ordentliche Menge davon zu besitzen. PATHETISCH…“Das letzte Hemd hat keine Taschen!“ Ich bin immer äußerst sparsam, doch sollte ich meine Einstellung zu Geld grundsätzlich überdenken. Etwas mehr Offenheit. Ein rationaler Umgang damit. Sonst belastet es unnötig…mein Schatz! mein Schatz!
“So I must leave, I'll have to go, to Las Vegas or Monaco and win a fortune in a game, my life will never be the same.”
Ab welchem Betrag ist die kritische Masse erreicht? Kann man zu viel haben?
Ich gehe weiter und es fühlt sich so seltsam an...ich habe keine Angst, dass es weg sein könnte. Fühle eher Gleichgültigkeit. Wahrscheinlich, weil man die wirklich wichtigen Dinge im Leben sowieso nicht kaufen kann (siehe Martial 10, 47). Das mag abgedroschen klingen, aber es ist so. Die alte Krux der Geschichte. Wahrscheinlich ist es meine aktuelle Bedürfnislosigkeit, die mich so denken lässt. Wozu Geld, wenn man niemanden hat, mit dem man es ausgeben kann. Natürlich nicht sinnlos verprassen, sondern gemeinsam das Leben genießen. Zusammen Essen gehen, Theater, Kino…Lebenslust. Aber so?
“It's a rich man's world…It's a rich man's world.”
Furcht- und lustlos komme ich zu Hause an. Das Kuvert mit dem Geld lege ich zunächst unbeachtet in eine Ecke. Ich vergesse es, denke nicht mehr daran und verstaue es erst später endgültig in meiner Geldkassette.

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