Dalai Lama

Donnerstag, 20. März, München

Ich kaufe also eine Tafel Schokolade für sie. Das ist gar nicht so einfach, denn die Auswahl ist riesig. Ich tendiere zunächst zu einem in goldene Alufolie verpackten Lind-Schokohasen. Der kostet aber ein Vermögen, also entscheide ich mich für eine Zartbittertafel von Sarotti…die ist schon teuer genug. Warum muss alles, was ein bisschen hochwertiger Qualität ist gleich ein Vermögen kosten? Da ich Sarottischokolade gerne mag, komme ich zu dem Entschluss, dass sie sie einfach auch gerne mag…gerne zu mögen hat. Basta!
Dann gehe ich noch in diesen Laden, in dem es nur lauter Kleinkram und Dekorationszeug gibt. Meine Mutter hat mich gebeten da irgendetwas zu kaufen. Mit einer undefinierbar und geschmacklos aussehenden Plastikstatue verlasse ich das Geschäft. Mit meinem Rucksack bepackt war ich zuvor durch die engen Gänge gestolpert und habe mehrmals nur mit Mühe und ganz knapp die hoch aufgetürmten Tische mit Glasvasen verfehlt. Glück gehabt!
Mittagspause mit Sandra. Es hat wie blöd zu schneien begonnen, doch kaum sind wir raus aus dem Hugendubel, hört es auf (göttliche Füchung würde der Franke sagen). Leider kann man sich draußen nirgends hinsetzten…alles nass. Zudem ist es kalt. Mich friert ja nicht, aber Frauen ist es fast immer zu kalt. Also wieder rein in den Hugendubel, rauf in den fünften Stock ins Cafe. Ich bestelle eine kleine Tasse Kaffee und bekomme eine Mittlere. Sandra isst Kuchen. Später kauft sie einen Budapest-Reiseführer für mich, da sie zwanzig Prozent Rabatt bekommt. Ich will ihn bezahlen, hab aber nur fünfzig Euro…sie gibt mir ihre Kontonummer und später überweise ich das Geld…ich mache ungern Schulden. Wir umarmen uns, wünschen uns Frohe Ostern und gehen auseinander. Zuvor überreiche ich die Schokolade. Auf dem Marienplatz demonstrieren Tibeter (die wie Chinesen aussehen) gegen China (also müssen es doch Tibeter sein). Mit farbigen Hula-Hoop-Reifen bilden sie die fünf olympischen Ringe. Die Szene wirkt pathetisch.
Auf dem Weg durch die Kaufingerstraße begegne ich meinem Vater, der irgendwo rumsteht und auf irgendwas wartet. Was, habe ich vergessen.
Im Hauptbahnhof kaufe ich am Zeitungskiosk eine „Vanity Fair“. Ich kaufe sonst nie die „Vanity Fair“ aber ein Heftchen mit Auszügen aus der Biographie des Dalai Lama liegt bei und sie kostet nur einen Euro.
Darum ist es meine gottverdammte Pflicht sie zu kaufen.
WG121 - 21. Mär, 11:30

Bestimmte Dinge haben ihren Preis und gute Schokolade gibt's nicht für fünfzig Cent im Supermarkt.
Das mit der Vanity Fair hab ich nicht verstanden. Du kaufst eine billige Hochglanzzeitschrift mit nicht viel mehr als jeder Menge bunten Bildchen drin, weil irgendwo Dalai Lama draufsteht und gleichzeitig findest du die olympischen Ringe auf dem Marienplatz pathetisch?

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