Montag, 21. Juli 2008

Spurensuche

Montag, 21. Juli, München

Als ich frühmorgens erwache, merke ich, dass ich wie ein Stein geschlafen habe, obwohl ich gar nicht so spät ins Bett gekommen bin. Es ist ein typischer Morgen danach, an dem man sich zwar schlapp und zunächst matt fühlt, einem sonst aber nichts fehlt. Die rasenden Kopfschmerzen sollten am Nachmittag kommen. Ich betreibe Ursachenforschung und versuche damit irgendjemandem den „schwarzen Peter“ zuzuschieben. Wie hatte es wieder soweit kommen können. Es war plötzlich alles zu viel geworden. Da denkst du an die gemeinsamen Minuten mit ihr, die so schön waren, dass du dir wünschst, sie mögen niemals enden oder immer wiederkehren. Du genießt jede Sekunde, die du mit ihr zusammen bist, hängst nur an ihren Lippen und lauscht jedem ihrer Worte. Dann ist die gemeinsame Zeit um, die Wege trennen sich und du hörst tagelang nichts mehr von ihr, obwohl sie versprochen hatte, sich zu melden. Das gibt dir dann irgendwie einen Stich, irgendwohin, wahrscheinlich mitten ins Herz. Dabei wirst du so traurig, dass es dich schier zu Boden drückt und du glaubst, nicht mehr aufstehen zu können. Dann fragst du dich, warum die gemeinsam verbrachte Zeit eine Ausnahme darstellt, nicht zur Regel werden und öfter stattfinden kann. Das ist der Moment, in dem du begreifst, dass in der Beziehung zu ihr alles verloren zu sein scheint. DAS IST DIE URSACHE. Du gehst frustriert auf eine Party, wo wieder alles anders läuft, als du es dir gewünscht hast. Du wirst noch trauriger und beginnst Bier zu trinken…viel Bier, in der Hoffnung das würde irgendetwas ändern. Fehlanzeige. DAS IST DIE URSACHE. Ich sollte endlich lernen Dinge aktiv zu verändern, Sachen anzupacken und Neues zu wagen. Es scheint aber so zu sein, dass es, immer wenn ich es niederschreibe noch schwerer wird.
Ich liege auf dem Bett, verschränke die Arme hinter meinem Nacken und starre an die Decke. Dabei döse ich ein und was bleibt, ist das seltsame Gefühl der geistigen Verwirrtheit.

Christina

Sonntag, 20. Juli, München

Eingetaucht in eine fremde Welt. Zunächst stehe ich noch etwas unschlüssig rum, so als ob sich die Augen erst an das Neue gewöhnen müssen. Ich blinzle in die Runde, mustere so gut es eben noch geht die Leute und sehe mich um. Tische, Stühle ein Kühlschrank...es ist kein großer Raum. Ich habe mich hinunter in den Kaninchenbau gewagt und nun bin ich hier, in ihrer Welt. Ich erfahre, dass die Gastgeberin Christina heißt. Dabei muss ich zugeben, dass ich mir jetzt, da ich das hier niederschreibe gar nicht mehr so sicher bin, ob ihr Name wirklich Christina war. Aber ich gehe davon aus. Sie feiert mit ihren Freunden...ich glaube ihren 26. Geburtstag, aber auch da bin ich mir nicht sicher. Es ist laut, aber wir können uns etwas unterhalten. Sie bietet mir ein Bier an und ich sage nicht nein. Das wievielte es an diesem Abend bereits ist? Ich habe aufgehört zu zählen. Christina ist sehr nett, sagt, dass es überhaupt kein Problem ist, dass ich hier sei und freut sich, mich kennen zulernen. Ein Junge hält sie im Arm und ich gehe schwer davon aus, dass es ihr Freund ist. Ich genieße die Zeit bei ihr und die Gesellschaft der anderen Leute...man unterhält sich sporadisch und der Alkohol beginnt bei mir langsam richtig reinzuhauen. Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, ob ich Christina noch umarmen konnte, als ich gegangene bin, denn die letzten Minuten bei ihr scheinen aus meinem Gedächtnis getilgt. Was bleibt ist ein wenig blasse Erinnerung an ihre Welt und für ein paar Augenblicke konnte ich die andere Welt vergessen...loslassen. Kurze Worte des Abschieds, dann trete ich wieder über die Türschwelle. Ich habe keine Kontaktdaten wie Handynummer oder E-Mail-Adresse von ihr, aber das ist nicht wesentlich. Wichtig ist die Begegnung. Ich schließe die Tür des kleinen Partyraums hinter mir und bin wieder in meiner Welt. Langsam steige ich die Stufen hinauf und höre noch vereinzelt Stimmen, die nach und nach hinter mir im Nichts verhallen. Ein Freund fährt mich nach Hause, ich bin wortkarg und döse hin und wieder leicht ein. Beinahe lautlos rauscht das Auto durch die alles umschließende Finsternis.

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