Montag, 7. Juli 2008

Willkommen und Abschied

Montag, 07. Juli, München

Am Bahnsteig stehend denke ich an sie. Letzte Woche am See war sie ja auch mit dabei. Die Gedanken schießen mir einfach so in den Kopf…eine Eingebung von irgendwoher. Minuten später kommt die S-Bahn und ich steige in den ersten Wagen ganz vorne ein…eigentlich wie immer. Und da sitzt plötzlich sie. Es ist unglaublich, dabei hatte ich gerade noch an sie gedacht. „Die hast du aber auch schon länger nicht mehr hier am Bahnhof getroffen!“, dachte ich für mich. Sie war in der Vergangenheit ein paar Mal hier ausgestiegen und mit dem Bus nach Hause gefahren. Heute Morgen kommt sie auf dem direkten Weg mit der S-Bahn. Leichter Small-Talk früh morgens, denn ich bin immer noch ziemlich überrascht. Es ist gut so. Am Hauptbahnhof muss sie raus, denn da arbeitet sie irgendwo…noch so neben dem Studium. „Bis Bald!“ – „Sicherlich!“ und ich hatte die erste Überraschung an diesem Montagmorgen bereits hinter mir.
Ihre großen, dunkelbraunen Mandelaugen blicken neugierig im Raum umher, werfen einen flüchtigen Blick auf mich und geleiten dann sogleich wieder die Wände entlang. Der Moment bleibt flüchtig. Der Typ neben mir erzählt mir irgend etwas…ich höre kaum zu, antworte dann aber gelangweilt, aber so, dass er es nicht merkt, irgend etwas in seine Richtung. Er trägt ein klein-kariertes Hemd, darüber einen dicken Pullover, aber kurze Hosen. Ok, ich bin bei Gott nicht besonders modebewusst, aber so etwas sieht einfach nur schrecklich aus. Ich halte lieber wieder nach dem tiefbraunen Augenpaar, dass so wach und interessiert guckt, Ausschau. Wir finden uns und sie fragt mich nach einem Text…dann rennt sie schnell noch zum Kopierer, zieht in der Hektik aber den falschen Text ab und muss meinen mitbenutzen…kein Problem.
Die letzte Sitzung, das letzte Mal. Dieses Paar Augen wird mir fehlen. Ich hoffe, man sieht sich wieder…ganz bestimmt. „Ooh ooh, aah aah, sexy eyes. I`m gonna take you to paradise.”

500 Miles

Sonntag, 06. Juli, München

Die Massen am Puls des Geschehens. Marke hinstrecken, Bier nehmen wird eine Bewegung. Unteilbar. Klappt schon ganz flüssig. Im Getümmel verliere ich meine Gruppe...naja fast: Einige wenige sind noch an meiner Seite geblieben. Zwei wollen Zigaretten kaufen, rufen dann aber an und teilen mit, dass sie nicht wieder kommen würden. Das alles nachts um halb zwei. Der harte Kern ist geblieben, darunter zwei Mädchen, mit denen ich Abitur gemacht habe. Deutsch-Leistungskurs bei Frau P. 2002 - 2004. Es scheint endlos lange her zu sein. Wir dancen...es läuft irgendwas, das entfernt nach Bob Marley klingt, aber wohl nicht von Bob Marley ist. Dann spielen sie Seed. Zum Schluß "500 Miles" von den Proclaimers. Das ist richtig gut. Um zwei Uhr nachts spüre ich, dass ich gehen muss, um noch irgendwie nach Hause zu kommen. Ich umarme die beiden Mädels, raune ihnen noch irgend etwas zu (und sie raunen irgend etwas zurück), ehe ich gehe. Die anderen dancen weiter.
Ich brauche schrecklich lang um zur U-Bahn zu kommen, was an der erheblichen Menge Bier liegen könnte, die ich getrunken habe. Die letzte Bahn ist schon weg...so schnell kommt keine mehr. Ich also wieder nach oben...Fußmarsch. Doch dann kommt ein Bus, der mich zur nächsten S-Bahnstation bringt. Im Bus setze ich mich, verschränke beide Arme vor der Brust und starre nach draußen in die vorbei gleitende Nacht. Alles glitzert und funkelt, eine Straßenlaterne flackert. München leuchtet. Ich erreiche die Bahnstation schneller als gedacht...mit Vollgas durch die Nacht. Die letze Bahn für die nächsten zwei Stunden bringt mich nach Hause. Angekommen.

Sommernachtstraum

Samstag, 05. Juli, München

Seit zwei Tagen wird hier gearbeitet...der Campus verändert sich...optisch und nur vorübergehend. Bereits am Montag wird wieder der Alltag in die grauen Universitätsräume einkehren, aber bis dahin werden Absperrungen aufgestellt, Hinweisschilder geklebt und Türen mit Brettern vernagelt. Der Raum geistiger Lehre im Sommer fest in der Hand der jungen Wilden. Party am Abend. Den Münzwurf habe ich verloren, aber ich bin trotzdem dabei.
Den, mit dem ich die Münze geworfen habe, treffe ich später am Bierstand wieder.
Alles easy, den Stress hätte ich mir wahrlich sparen können...leider weiß ich das erst hinterher. Meine Leute sind da, kamen aber später, da sie ja nun doch irgendwie an Karten gekommen waren. Weiß der Geier. Noch ist überschaubar wenig los, also erst mal los, Bier holen. Einer holt sich was zu Essen...Asianudeln. Auf die Pappunterlage werden 50 Cent Pfand erhoben. Haltet meine Uni sauber. Richtig so!
Kurz danach wird es immer voller, Leiber schieben sich durch die vollgestopften Gänge und sogar vor den Jungs-Toiletten bilden sich lange Schlangen. An jedem Pissoir stehen plötzlich sieben Kerle geduldig an. Einige Frauen quetschen sich durch die Reihen, in der Hoffnung den Platz auf einer der festen Schüsseln in den absperrbaren Kabinen zu bekommen. Bei den Frauen ist nämlich noch mehr los.
“Ich meine ich würde ja auch an nen` Strauch oder Busch, aber das kann man hier ja ned bringen” Small-Talk mit Harndrang...prima. Irgendwann dann Erleichterung. Zum Glück hatte ich vorher ein paar Bier- und Pfandmarken auf Vorrat gekauft, denn nun sind alle Getränkestände überbevölkert. Becher abgeben, Marke kaufen, so ist der Rhythmus hier.

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