Eine gute Fee/Drei Wünsche frei

Samstag, 27. Dezember, München

Der Motor in meinem Kopf beginnt zu rattern. Er spielt den Film des vergangenen Jahres ab. Ich liege einfach nur da, auf meinem Bett und lasse es geschehen. Unsichtbare Kräfte drehen an einer gewaltigen Kurbel in meinem Kopf...der Vorspann läuft. Was war das für ein Jahr? In erster Linie ging es zu schnell vorüber...ein trauriges Jahr, aber teilweise doch auch ein schönes Jahr. 366 Tage, die mit Sophie begonnen haben und nicht mit ihr aufhören. Ich habe seit Wochen nichts mehr von ihr gehört. Da war die Lesung an der Uni, von der ich schon gar nicht mehr weiß, ob sie 2008 oder schon 2007 war. Da waren das Referat und die gemeinsame Vorbereitung darauf. Das waren glückliche Stunden. Die Suppe im “Atzinger”. Da waren Budapest, Jana und Andrea. Die Stadt, die Menschen...alles was dazugehört. Da war was los. Ein merkwürdiger Sommer, geprägt von Freizeit im Park, Spaziergängen alleine durch den Englischen Garten. Einen Tag vor Weihnachten war ich wieder dort. Der Monopteros im fahlen Wintersonnenschein, der Weihnachtsmarkt am China-Turm. Im Juli und August die Menschen, die über die Wiesen streiften, Hunde die herumtollten und Studenten wie ich, die faul in der Sonne lagen und in ihren Büchern lasen. Mein weiter Weg von der Münchner Freiheit bis zum Hofgarten. Eigentlich war es schön. Aufstieg auf den Monopteros, dort eine Buttermilch trinken und ein Stückchen über die belebte Stadt hinwegblicken. München ist nicht Berlin, da schöner. Aber Rock `n` Roll sieht trotzdem anders aus. Eigentlich waren das schon fast die Highlights aus 2008. Da kommt nichts mehr. Abschalten! Gut, der ein oder andere Abend, so manche Party. Salzburg darf nicht vergessen werden. Drei herrliche Tage...erholsam, doch dann kam eine schwere Zeit, die durch den Tod geprägt wurde und bis heute keinen eigentlichen Abschluss gefunden hat. Würde mir eine Fee heute sagen, dass ich drei Wünsche frei hätte, müsste ich zunächst überlegen. Nichts falsch machen. Eine Frau? Für immer? Das will wohl überlegt sein. Wer nicht mehr an Wunder glaubt hat aufgehört zu leben. Plötzlich steht sie da, an der Straßenecke...meine gute Fee und wartet auf den Bus. Kann ja passieren. Womöglich ist sie menschlicher, als ich denke. Nur wer glaubt, kann erkennen, ich glaube und glaube, dass ich öfter Bus fahren sollte. Hier endet der Film...vorerst. Ohne fixes Ende katapultiert es mich in die Realität. Warum haben Träume keinen Abspann? Die Kurbel steht still...alles steht still. Wie in Trance setze ich mich in meinem Bett auf und gehe ins Bad. Kaltes Wasser im Gesicht umspült meine trüben Gedanken.

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