[>>]

Samstag, 3. Januar 2009

Epilog/Das Jahr beginnt mit Kälte

Donnerstag, 01. Januar, München

Der Neujahrsmorgen beginnt mit Kälte. Nachts hatte ich noch einmal die von Dunst und Pulvernebel durchsetzte Luft eingeatmet und dabei wohl vergessen, das Fenster zu schließen. Zähneputzen mit Zähneklappern. Es ist kein besonderer Morgen, in keinem besonderen Jahr. Ich könnte nicht sagen, ob 2009, 2000, oder 1998 ist. Es ist der gleiche Morgen wie jedes Jahr. Über Nacht hatte sich eben nichts verändert. Schnee fällt in dicken Flocken, als ich hinunter auf die Straße gehe...Schritte hallen über das Pflaster. Ich ziehe die Kapuze über den Kopf und gehe einfach los. Es wurde bei uns relativ wenig geböllert. Nur an einigen Stellen liegen ausgebranntes Feuerwerk, Knallfrösche und Fetzen von Krachern unter einer weißen Schneedecke vergraben. An ihnen kleben die Reste des vergangenen Jahres wie stumme Zeugen der Geschichte. Ich weiß, dass es nun vorbei ist. Ich werde die letzten Einträge ins Netz stellen, später an meinem Computer. Ich werde Texte vom Anfang des letzten Jahres so lesen, als wäre es gestern gewesen. Ich werde nicht glauben können, dass dies alles ein Jahr her ist. So viel ist passiert und ich habe wie durch eine Kamera den Zoom darauf gerichtet. Es waren nicht die großen Dinge, die mich interessierten, nicht die medienwirksamen Ereignisse. Es waren die kleinen Augenblicke, seltsame und interessante Leute, einmalige Begebenheiten, auf die ich den Fokus gelenkt habe. Ich kicke unterm Gehen nachdenklich gegen die Hülle einer leeren Feuerwerksbatterieverpackung. Die Folie rutscht langsam über den Schnee. Wie eine leere Hülle, so habe ich mich des Öfteren im letzten Jahr gefühlt. Wenn man das hier so liest, könnte man meinen, dass alles schlecht war, aber das stimmt natürlich nicht. Noch mehr Schnee fällt und ich ziehe die Kapuze fest über beide Ohren. Was als Experiment begann, wurde immer größer und immer wichtiger...trotzdem geht es zu Ende. Ich habe keine Vorstellung davon, wie lange meine Texte durchs Internet geistern werden. Im IT-Zeitalter geht nichts verloren, hat mir einmal jemand gesagt und ich glaube, dass es stimmt. Mir bleiben die Erinnerungen an 2008, meine Texte und die Gewissheit, jeden Tag etwas geschaffen zu haben, was so womöglich nie mehr wiederholbar ist. Meine Geschichten scheinen vorerst alle erzählt. Habt als Dank für euer Interesse. Wenn ich da draußen jemanden erreicht haben sollte, einen Leser, MEINEN Leser, dann bin ich zufrieden. Auch wenn alles gleich erscheint, ist jeder Tag doch individuell und etwas Besonderes. Jeden Tag geht eine neue Sonne auf. Ich bin wieder zu Hause, stehe mit meinen schweren Schuhen im Treppenhaus und gehe dann hinauf in den dritten Stock. Ein Zitat von Konfuzius fällt mir ein und ich beschließe das vergangen Jahr unter folgendes Motto zu stellen:
“Leuchtende Tage.
Nicht weinen, dass sie vorüber.
Lächeln, dass sie gewesen.”
Wo Schatten ist, ist eben immer auch Licht.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

alles gute für dich im...
alles gute für dich im neuen jahr ! ...und danke fürs...
fata morgana - 5. Jan, 10:11
Epilog/Das Jahr beginnt...
Donnerstag, 01. Januar, München Der Neujahrsmorgen...
bflo - 3. Jan, 17:26
Ein Herz am Himmel
Mittwoch, 31. Dezember, München In der letzten Nacht...
bflo - 2. Jan, 16:09
Waffenbrüder
Dienstag, 30. Dezember, München Ein Zimmer im Halbdunkel....
bflo - 1. Jan, 19:51
Glücksbote
Montag, 29. Dezember, München Er nimmt seine dicke...
bflo - 1. Jan, 16:31

Links

Suche

Status

Online seit 6734 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 5. Jan, 10:11

Credits