Ein Herz am Himmel
Mittwoch, 31. Dezember, München
In der letzten Nacht des Jahres ist es eiskalt. Am Vormittag des Silvestertages werden die letzten Dinge des Jahres erledigt. Eilig hasten die Menschen durch die Stadt. Der Abend kommt früh.
Am Ufer des Sees zieht leichter Nebel auf. Sektflaschen werden geköpft, prickelnder Schaumwein läuft in die Gläser. Kurz vor Mitternacht. Eigentlich gibt es nichts zu feiern, zumindest für mich nicht. Wo sie jetzt wohl ist? Ich blicke in den Himmel, suche die Sterne, aber es ist zu bedeckt um sie richtig erkennen zu können. Was für ein Jahr geht nun zu Ende? Ich könnte morgen aufwachen und es dürfte wieder 2008 sein und nicht 2009. Ein Jahr, das nur auf dem Papier existiert, nicht aber in meinem Kopf...nur auf dem Papier. Natürlich gab es großartige Momente, bezaubernde Augenblicke und schöne Stunden.
Ich stehe einfach nur da, der Sekt im Glas schäumt in der Kälte mühsam vor sich hin. Noch ist alles ganz still, nur irgendwo in der Ferne heulen ein paar Knaller auf und einige Böller brummen durch die Nacht. Dann schlägt es Mittenacht und das Feuerwerk geht los. Glückliche Menschen liegen sich in den Armen, stoßen gemeinsam an. Ich stehe etwas abseits, ab und an kommt jemand und wünscht mir ein frohes neues Jahr. Ich bin alleine. In der Stadt wäre es noch schlimmer. Ich proste dem Himmel zu und trinke Sekt. Bunte Raketen knallen durch die Luft, es wird laut. Kinder rennen hektisch hin und her. Leere Flaschen werden in den Boden gerammt...Startrampen. Silberne Sterne verteilen sich in der Luft, werden für Sekundenbruchteile sichtbar, ehe sie in der Dunkelheit der Nacht wieder jäh verrauchen. Goldene Fontänen illuminieren die Finsternis, rote Vulkaneffekte werden sichtbar. Eine Feuerwerksbatterie gibt fünfzig Schuss in einhundert Sekunden ab. Die Raketen gefallen mir am Besten. Das war es also schon wieder, das alte Jahr. Ein Neues steht schon bereit, will abgeholt werden. Will ich das? Vielleicht! Ganz weit draußen fahren zwei Autos vorüber. Das Geräusch der Motoren verliert sich im Lärm der Raketen und Böller. Mein Blick hängt in den Wolken; die Anzahl der abgefeuerten Raketen wird schon weniger. Das Jahr einer großen, unerfüllten Liebe. Ich alleine hier. Stark sein, immer stark sein. Meine Augen werden ganz feucht und eine Träne läuft mir über die linke Wange. Traurigkeit umfängt mich und während um mich herum alles feiert, vergesse ich für Sekunden die Welt. Aber 2009 ist schon da...es gab kein Entkommen, zu keiner Zeit. Ich starre noch einmal in den Himmel. Es mag pathetisch, schnulzig und abgedroschen klingen, aber für wenige Sekunden habe ich es gesehen: Eine dunkelrote Rakete steigt auf und bildet in der Luft ein Herz, in dem für Sekundenbruchteile ihre Initialen aufleuchten: “C” und “K”. Dann ist alles dunkel. Ich drehe mich um und gehe mit festen Schritten wieder ins Haus zurück. Der See hinter mir verschwindet unter den dicken Rauchschwaden des abgebrannten Feuerwerks, die immer noch durch die Luft ziehen. Ich nippe an meinem Sekt . Er schmeckt abgestanden und irgenwie nach kalter Asche. Es riecht nach verbranntem Schwarzpulver und nach den Resten des alten, verbrauchten Jahres.
----- ENDE-----
In der letzten Nacht des Jahres ist es eiskalt. Am Vormittag des Silvestertages werden die letzten Dinge des Jahres erledigt. Eilig hasten die Menschen durch die Stadt. Der Abend kommt früh.
Am Ufer des Sees zieht leichter Nebel auf. Sektflaschen werden geköpft, prickelnder Schaumwein läuft in die Gläser. Kurz vor Mitternacht. Eigentlich gibt es nichts zu feiern, zumindest für mich nicht. Wo sie jetzt wohl ist? Ich blicke in den Himmel, suche die Sterne, aber es ist zu bedeckt um sie richtig erkennen zu können. Was für ein Jahr geht nun zu Ende? Ich könnte morgen aufwachen und es dürfte wieder 2008 sein und nicht 2009. Ein Jahr, das nur auf dem Papier existiert, nicht aber in meinem Kopf...nur auf dem Papier. Natürlich gab es großartige Momente, bezaubernde Augenblicke und schöne Stunden.
Ich stehe einfach nur da, der Sekt im Glas schäumt in der Kälte mühsam vor sich hin. Noch ist alles ganz still, nur irgendwo in der Ferne heulen ein paar Knaller auf und einige Böller brummen durch die Nacht. Dann schlägt es Mittenacht und das Feuerwerk geht los. Glückliche Menschen liegen sich in den Armen, stoßen gemeinsam an. Ich stehe etwas abseits, ab und an kommt jemand und wünscht mir ein frohes neues Jahr. Ich bin alleine. In der Stadt wäre es noch schlimmer. Ich proste dem Himmel zu und trinke Sekt. Bunte Raketen knallen durch die Luft, es wird laut. Kinder rennen hektisch hin und her. Leere Flaschen werden in den Boden gerammt...Startrampen. Silberne Sterne verteilen sich in der Luft, werden für Sekundenbruchteile sichtbar, ehe sie in der Dunkelheit der Nacht wieder jäh verrauchen. Goldene Fontänen illuminieren die Finsternis, rote Vulkaneffekte werden sichtbar. Eine Feuerwerksbatterie gibt fünfzig Schuss in einhundert Sekunden ab. Die Raketen gefallen mir am Besten. Das war es also schon wieder, das alte Jahr. Ein Neues steht schon bereit, will abgeholt werden. Will ich das? Vielleicht! Ganz weit draußen fahren zwei Autos vorüber. Das Geräusch der Motoren verliert sich im Lärm der Raketen und Böller. Mein Blick hängt in den Wolken; die Anzahl der abgefeuerten Raketen wird schon weniger. Das Jahr einer großen, unerfüllten Liebe. Ich alleine hier. Stark sein, immer stark sein. Meine Augen werden ganz feucht und eine Träne läuft mir über die linke Wange. Traurigkeit umfängt mich und während um mich herum alles feiert, vergesse ich für Sekunden die Welt. Aber 2009 ist schon da...es gab kein Entkommen, zu keiner Zeit. Ich starre noch einmal in den Himmel. Es mag pathetisch, schnulzig und abgedroschen klingen, aber für wenige Sekunden habe ich es gesehen: Eine dunkelrote Rakete steigt auf und bildet in der Luft ein Herz, in dem für Sekundenbruchteile ihre Initialen aufleuchten: “C” und “K”. Dann ist alles dunkel. Ich drehe mich um und gehe mit festen Schritten wieder ins Haus zurück. Der See hinter mir verschwindet unter den dicken Rauchschwaden des abgebrannten Feuerwerks, die immer noch durch die Luft ziehen. Ich nippe an meinem Sekt . Er schmeckt abgestanden und irgenwie nach kalter Asche. Es riecht nach verbranntem Schwarzpulver und nach den Resten des alten, verbrauchten Jahres.
----- ENDE-----
bflo - 2. Jan, 15:59
