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Mittwoch, 31. Dezember 2008

Nostalgie klebt überall

Sonntag, 28. Dezember, München

“Komm erzähl mir was, plaudere auf mich ein. Ich will mich an dir satthör`n immer mit dir sein.”
Es ist kalt geworden. Tagsüber klettert das Quecksilber nicht mehr über den Gefrierpunkt. Ich gehe vorbei an Bäumen, die keine Blätter mehr haben, trostlos und einsam wirken. Meinen Kopf verstecke ich unter der dicken Kapuze meiner Jacke. Ich stehe in der Mitte meines ehemaligen Schulhofes und drehe mich um mich selbst. Die Schulzeit...es hat sich viel verändert, aber irgendwie doch auch fast nichts. Die Lehrerschaft wurde drastisch ausgedünnt und verjüngt. Die Alten sind in Pension, die Jungen sollen nun das Ruder übernehmen und den Kahn an sichere Ufer steuern. Ein neuer Teerbelag im Schulhof hat den alten ersetzt. Im Grunde wechseln doch nur die einzelnen Schüler, die Schule bleibt immer dieselbe. Über vier Jahre ist das nun schon wieder her. Ich blicke mich um. Da haben wir gestanden, in einer dunklen Ecke und...nun scheint etwas Licht hinein, der Tag ist noch jung. Das war eine herrliche Zeit. Man möchte melancholisch und wehmütig werden...und tut es. Der Gang zu den Umkleidekabinen, der Geruch nach Sport, nach verschwitzten Leibern, nach Anstrengung und Marter. Alles gleich geblieben. Treppen nach oben zu den Turnhallen. Wie oft gegangen. Ein Übergang mit breiter Glasfront trennt das Hauptgebäude von den Nebengebäuden. Ich erkenne alles wieder, alles ist noch da. Nur die Schüler sind mir fremd. Man kennt ja auch ein paar Jahre nach seinem eignen Ausscheiden aus der Schule noch ein oder zwei Jahrgänge, die unter einem sind. Später dann aber nicht mehr. Ich bin keiner mehr von ihnen, nur noch einer von Vielen. Wände, Mauern, Klassenzimmer, alles gleich geblieben. K 7; da hat alles angefangen. Neun Jahre pauken, leiden und lernen. Auf den Stühlen, auf denen ich gesessen habe, nehmen nun Tag für Tag Andere Platz. In den Büchern, in denen ich gelesen und mit denen ich gelernt habe, suchen andere nach Weisheit. Viele wurden jedoch entsorgt, gelten als überholt oder zu intensiv gebraucht. Mein Gott hatte ich Bücher: Einmal anfassen und man musste befürchten, dass sie zerfallen. Ich dreh mich noch einmal im Kreis bevor ich den Ort aus rotem Backstein wieder verlasse. Einiges hat sich geändert, vieles nicht. Nostalgie klebt an jedem einzelnen Stein dieses Gebäudes. Ich stand damals noch in einer anderen Ecke und...Jeder Fleck eine Erinnerung an Schulpartys und Paukerstress. Langsam gehe ich nach Hause, während meine alte Schule hinter mir in der eisigen Kälte verschwindet. “Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.”

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