Ja, liebe Virginia...
Mittwoch, 24. Dezember, München
Zwei Tage vor Heiligabend erreicht ihn am Vormittag ein Brief in einem hellblauen Umschlag, dessen Anschrift fein säuberlich mit roter Tinte geschrieben wurde. Neben dem Absender in Kinderschrift, einer gewissen Virginia, kleben drei silberne Weihnachtssterne. Er beachtet den Brief nicht weiter, legt ihn zunächst unbeachtet auf den Stapel mit der vorsortierten Tagespost. Erst am frühen Abend, kurz bevor er die Redaktion seiner Tageszeitung verlässt, erinnert er sich an den Brief, fischt ihn aus dem Stapel, öffnet und liest ihn:
“Liebe Redaktion der „Times“. Meine Freunde haben gestern behauptet, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Sie sagen, dass das, was man nicht mit eigenen Augen sehen kann auf dieser Welt auch nicht existiert. Ich bin sehr traurig, glaube ich doch so fest an ihn. Natürlich weiß ich, dass mir meine Eltern die Geschenke bringen, aber dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass es den Weihnachtsmann gibt und er bei uns durch den Schornstein kommen wird. Mein Onkel sagt immer, was in der „Times“ steht ist stets wahr, darum schreibe ich euch diese Zeilen, mit der Frage, ob es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt. Könnt ihr mir weiterhelfen? Mit besten Grüßen Virginia”
Draußen beginnt es zu schneien und eigentlich will er schnell nach Hause. Doch nun setzt er sich, nimmt einen Bogen Papier aus seiner Schreibtischschublade und beginnt zu schreiben. Die Familie muss eben noch eine halbe Stunde warten. Dazu war ihm dies hier einfach zu wichtig. Langsam wandert sein Stift über das blütenweiße Papier.
“Liebe Virginia! Danke für deinen Brief; ich habe mich sehr gefreut. Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn, wie es die Liebe und die Hoffnung unter den Menschen gibt. Es muss ihn sogar geben, damit wir an ihn glauben können. Es wird ihn immer geben; noch in zehn, in zwanzig, ja sogar noch in tausend Jahren wird es ihn geben, damit Kinder wie du an ihn glauben. Die Existenz des Weihnachtsmanns lässt sich nicht danach bemessen, ob man ihn sehen kann, oder nicht. Wir müssen ihn uns vorstellen und es gibt ihn, auch wenn wir ihn nicht sehen. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen, in der Hoffnung darin all die bunten Bilder, Figuren und Mosaike zu entdecken. Wenn du das aber tust, wirst du nichts weiter als einen kleinen Haufen verschiedenfarbiger Glassteine vorfinden. Du kannst nicht immer alles sehen, alles anfassen und greifen...trotzdem ist es da. In deiner Phantasie, in deinem Kopf...dein inneres Bild. Den Weihnachtsmann gibt es also solange du Virginia, solange wir alle an ihn glauben...auch, wenn wir ihn nicht sehen können. Beste Grüße von der „Times“”
Er wartet einen Augenblick, bis die Tinte trocken ist, frankiert und beschriftet den Umschlag und verlässt sein Büro. Am nächsten Tag steht die Konversation zwischen ihm und Virginia groß auf der Titelseite der “Times”. Virginias Brief hat er an seinen Schreibtisch geklebt und da blieb er für viele Jahre. Bis zur Einstellung der „Times“ wurde Virginias Brief jedes Jahr zu Weihnachten auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt. Das Mädchen selbst hat von da an immer an den Weihnachtsmann geglaubt...ihr ganzes Leben lang.
Zwei Tage vor Heiligabend erreicht ihn am Vormittag ein Brief in einem hellblauen Umschlag, dessen Anschrift fein säuberlich mit roter Tinte geschrieben wurde. Neben dem Absender in Kinderschrift, einer gewissen Virginia, kleben drei silberne Weihnachtssterne. Er beachtet den Brief nicht weiter, legt ihn zunächst unbeachtet auf den Stapel mit der vorsortierten Tagespost. Erst am frühen Abend, kurz bevor er die Redaktion seiner Tageszeitung verlässt, erinnert er sich an den Brief, fischt ihn aus dem Stapel, öffnet und liest ihn:
“Liebe Redaktion der „Times“. Meine Freunde haben gestern behauptet, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Sie sagen, dass das, was man nicht mit eigenen Augen sehen kann auf dieser Welt auch nicht existiert. Ich bin sehr traurig, glaube ich doch so fest an ihn. Natürlich weiß ich, dass mir meine Eltern die Geschenke bringen, aber dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass es den Weihnachtsmann gibt und er bei uns durch den Schornstein kommen wird. Mein Onkel sagt immer, was in der „Times“ steht ist stets wahr, darum schreibe ich euch diese Zeilen, mit der Frage, ob es den Weihnachtsmann tatsächlich gibt. Könnt ihr mir weiterhelfen? Mit besten Grüßen Virginia”
Draußen beginnt es zu schneien und eigentlich will er schnell nach Hause. Doch nun setzt er sich, nimmt einen Bogen Papier aus seiner Schreibtischschublade und beginnt zu schreiben. Die Familie muss eben noch eine halbe Stunde warten. Dazu war ihm dies hier einfach zu wichtig. Langsam wandert sein Stift über das blütenweiße Papier.
“Liebe Virginia! Danke für deinen Brief; ich habe mich sehr gefreut. Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn, wie es die Liebe und die Hoffnung unter den Menschen gibt. Es muss ihn sogar geben, damit wir an ihn glauben können. Es wird ihn immer geben; noch in zehn, in zwanzig, ja sogar noch in tausend Jahren wird es ihn geben, damit Kinder wie du an ihn glauben. Die Existenz des Weihnachtsmanns lässt sich nicht danach bemessen, ob man ihn sehen kann, oder nicht. Wir müssen ihn uns vorstellen und es gibt ihn, auch wenn wir ihn nicht sehen. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen, in der Hoffnung darin all die bunten Bilder, Figuren und Mosaike zu entdecken. Wenn du das aber tust, wirst du nichts weiter als einen kleinen Haufen verschiedenfarbiger Glassteine vorfinden. Du kannst nicht immer alles sehen, alles anfassen und greifen...trotzdem ist es da. In deiner Phantasie, in deinem Kopf...dein inneres Bild. Den Weihnachtsmann gibt es also solange du Virginia, solange wir alle an ihn glauben...auch, wenn wir ihn nicht sehen können. Beste Grüße von der „Times“”
Er wartet einen Augenblick, bis die Tinte trocken ist, frankiert und beschriftet den Umschlag und verlässt sein Büro. Am nächsten Tag steht die Konversation zwischen ihm und Virginia groß auf der Titelseite der “Times”. Virginias Brief hat er an seinen Schreibtisch geklebt und da blieb er für viele Jahre. Bis zur Einstellung der „Times“ wurde Virginias Brief jedes Jahr zu Weihnachten auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt. Das Mädchen selbst hat von da an immer an den Weihnachtsmann geglaubt...ihr ganzes Leben lang.
bflo - 27. Dez, 19:49
