Ein angenehmes Gespräch
Dienstag, 23. Dezember, München
Hellrotes Wachs tropft langsam aber stetig von der großen Weihnachtskerze runter auf den silbernen Teller mit Weihnachtsmännern drauf. Ich sitze einfach da und Blicke in die Flamme. Davon kann man mit der Zeit blind werden, hatte mir einmal jemand erzählt, aber ich habe es nie geglaubt. Ich schaue einfach nur zu, wie sich das Wachs seinen Weg die Kerze hinunter bahnt, wie Lava die aus einem Vulkan hervor schießt. Den heiligen Abend wird er auf der Intensivstation verbringen. Herzinfarkt. Ich habe den alten Mann auf dem Weihnachtsmarkt getroffen. Sein schneeweißer Bart ist mir dabei sofort aufgefallen. Die hagere Gestalt lehnte an einer der Holzbuden und trank Glühwein. Ich ging also hin, bestellte eine Tasse des alkoholhaltigen Heißgetränkes und gesellte mich zu dem Alten. Er hatte nichts dagegen, so dass wir beide schnell ins Gespräch kamen. Krebs...beinahe schon im Endstadium. Er wolle die letzten Tage, die ihm noch bleiben gerne draußen bei den Menschen verbringen. Es war kalt und meine Tasse schnell leer. “Geht auf mich!”, meinte der alte Mann. Geld sei kein Problem...Gesundheit könne er sich davon sowieso nicht mehr kaufen. Da nütze ihm all sein blödes Geld nichts. So ist das im Leben eben. Auf jeden Fall standen wir einfach nur auf diesem Weihnachtsmarkt am Glühweinstand und haben uns ein bisschen aus unserem Leben erzählt. Unglücklich verliebt, einen guten Freund verloren...das Übliche. Ich konnte mich dem Alten gegenüber seltsamerweise leicht und ohne Probleme öffnen. Plötzlich fasste er sich an die Brust, ziemlich genau zwischen die beiden Lungenflügel, da wo das Herz sitzt. Er atmete schwer, lehnte seinen Kopf an meine Schulter und sackte einfach weg. Der Notarzt kam, lud ihn ein und nahm ihn mit. Verschiedene Linien zucken jetzt über das LCD-Display neben seinem Bett. Das Schnaufen einer großen Herz-Lungen-Maschine ist bis weit in den kahlen Krankenhausgang hinein zu hören. Grüne, rote und goldene Linien werden sichtbar. Ich kenne diesen Menschen eigentlich gar nicht und trotzdem sitze ich hier im Krankenhaus an seinem Bett und sorge mich um ihn. Sonst scheint er niemanden mehr zu haben. Sein Brustkorb hebt und senkt sich langsam im Rhythmus der unzähligen medizinischen Gerätschaften um ihn herum. Länger kann ich nicht bleiben, ich muss wieder los, ohne zu wissen, was passieren wird. Wird er durchkommen?
Eine Woche später hat man ihn entlassen. Ich sollte nie wieder etwas von ihm hören. Er hat sich ein Taxi rufen lassen und ist am Tag seiner Entlassung einfach gegangen. Keiner weiß wohin...mit ihm selbst hatte ich nie darüber geredet. Ich kenne nicht einmal seinen Namen. Wer war wer? Trotzdem waren die Tassen Glühwein, die ich mit ihm getrunken habe die leckersten seit langer Zeit. Und nicht nur, weil ich nichts zahlen musste.
Hellrotes Wachs tropft langsam aber stetig von der großen Weihnachtskerze runter auf den silbernen Teller mit Weihnachtsmännern drauf. Ich sitze einfach da und Blicke in die Flamme. Davon kann man mit der Zeit blind werden, hatte mir einmal jemand erzählt, aber ich habe es nie geglaubt. Ich schaue einfach nur zu, wie sich das Wachs seinen Weg die Kerze hinunter bahnt, wie Lava die aus einem Vulkan hervor schießt. Den heiligen Abend wird er auf der Intensivstation verbringen. Herzinfarkt. Ich habe den alten Mann auf dem Weihnachtsmarkt getroffen. Sein schneeweißer Bart ist mir dabei sofort aufgefallen. Die hagere Gestalt lehnte an einer der Holzbuden und trank Glühwein. Ich ging also hin, bestellte eine Tasse des alkoholhaltigen Heißgetränkes und gesellte mich zu dem Alten. Er hatte nichts dagegen, so dass wir beide schnell ins Gespräch kamen. Krebs...beinahe schon im Endstadium. Er wolle die letzten Tage, die ihm noch bleiben gerne draußen bei den Menschen verbringen. Es war kalt und meine Tasse schnell leer. “Geht auf mich!”, meinte der alte Mann. Geld sei kein Problem...Gesundheit könne er sich davon sowieso nicht mehr kaufen. Da nütze ihm all sein blödes Geld nichts. So ist das im Leben eben. Auf jeden Fall standen wir einfach nur auf diesem Weihnachtsmarkt am Glühweinstand und haben uns ein bisschen aus unserem Leben erzählt. Unglücklich verliebt, einen guten Freund verloren...das Übliche. Ich konnte mich dem Alten gegenüber seltsamerweise leicht und ohne Probleme öffnen. Plötzlich fasste er sich an die Brust, ziemlich genau zwischen die beiden Lungenflügel, da wo das Herz sitzt. Er atmete schwer, lehnte seinen Kopf an meine Schulter und sackte einfach weg. Der Notarzt kam, lud ihn ein und nahm ihn mit. Verschiedene Linien zucken jetzt über das LCD-Display neben seinem Bett. Das Schnaufen einer großen Herz-Lungen-Maschine ist bis weit in den kahlen Krankenhausgang hinein zu hören. Grüne, rote und goldene Linien werden sichtbar. Ich kenne diesen Menschen eigentlich gar nicht und trotzdem sitze ich hier im Krankenhaus an seinem Bett und sorge mich um ihn. Sonst scheint er niemanden mehr zu haben. Sein Brustkorb hebt und senkt sich langsam im Rhythmus der unzähligen medizinischen Gerätschaften um ihn herum. Länger kann ich nicht bleiben, ich muss wieder los, ohne zu wissen, was passieren wird. Wird er durchkommen?
Eine Woche später hat man ihn entlassen. Ich sollte nie wieder etwas von ihm hören. Er hat sich ein Taxi rufen lassen und ist am Tag seiner Entlassung einfach gegangen. Keiner weiß wohin...mit ihm selbst hatte ich nie darüber geredet. Ich kenne nicht einmal seinen Namen. Wer war wer? Trotzdem waren die Tassen Glühwein, die ich mit ihm getrunken habe die leckersten seit langer Zeit. Und nicht nur, weil ich nichts zahlen musste.
bflo - 26. Dez, 14:15
