Hauptsache Arbeit
Samstag, 20. Dezember, München
Morgens ist die Welt noch stockfinster. Er steht auf, geht ins Bad um sich die Zähne zu putzen. Dann zieht er sich an, isst noch im Gehen schnell eine Semmel und verlässt das Haus. Er wohnt weit draußen. An kalten Tagen liegen manchmal die Hochspannungsleitungen an denen er vorbeigeht unter einer erstarrten Eisschicht und die Straßen sind glatt. Die Fahrt mit der Bahn dauert sehr lange, aber sie gibt ihm Gelegenheit noch ein wenig zu schlafen. Er setzt sich auf einen der freien Plätze, lehnt sich zurück und schließt langsam die Augen. Noch fünfzehn Minuten ist er dann aber zumeist wieder wach. Auch wenn er auf dem großen Friedhof am Ende der Stadt ankommt, ist es im Winter noch stockdunkel. Er ist der erste hier, schließt vorne die Türe auf und beginnt mit seiner Arbeit. Wege überprüfen und wenn nötig streuen. Das ist eine der ersten Aufgaben mit denen sein Arbeitstag beginnt. Irgendwann erwacht der Tagt, es wird hell und die Sonne zeigt sich. Seit drei Jahren geht der dieser Tätigkeit auf dem städtischen Friedhof schon nach und sie macht ihm immer noch Spaß. Es ist eine Alternative zu Hartz IV und Arbeitslosigkeit. Vor fünf Jahren hatte er seine Arbeit verloren, die gut bezahlte Stelle als Industrieschweißer. Er war krank geworden, beinahe erwerbsunfähig, aber eben nicht ganz. Für die kleineren Arbeiten hier reicht es noch. Er liebt diesen Job, hat nahezu freie Hand, ist sein eigener Chef. Die Dinge laufen gut hier. Die Arbeit lässt ihn die weite Anfahrt und das frühe Aufstehen schnell vergessen. Er kommt unter die Leute, hat Kontakt zu Menschen. Das liebt er. Früher, da sass er von morgens bis abends auf der Couch, sah fern, aß Chips und trank Bier. Sein Leben hatte nun endlich wieder einen Sinn bekommen, auch wenn der darin bestand im Sommer Unkraut zu jäten und Wege zu harken und im Winter Schnee zu räumen und Split zu streuen. Aber Hauptsache Arbeit. Geld gibt es, auch wenn es nicht viel ist. Er kann davon gut leben, ist sparsam und bescheiden. Ein Bier nach Feierabend, einmal in der Woche Essen gehen. Das sind die Dinge, die er nicht missen möchte und auch nicht missen muss. Ein neuer Tag legt sich über den Friedhof. Die ersten Besucher kommen. Manche von ihnen sind hier wegen anstehenden Trauerfeiern, manche wollen einfach nur ihre Lieben besuchen. Alle unterhalten sich gerne mit ihm, haben ein paar Worte übrig, wenn sie diesen Ort wieder verlassen. Das “Untermenschensein” ist es, was er so mag. Zudem kann er sich nicht vorstellen in irgendeinem modrigen Büro zu sitzen, während draußen die Natur auf ihn wartet. Neugierig blinzelt er in die aufgehende Sonne, als er sich auf den Weg zum Krematorium macht. Der große Schlüsselbund klappert in seiner Hand...Verantwortung für alles hier, aber in erster Linie eben auch gegenüber sich selbst.
Morgens ist die Welt noch stockfinster. Er steht auf, geht ins Bad um sich die Zähne zu putzen. Dann zieht er sich an, isst noch im Gehen schnell eine Semmel und verlässt das Haus. Er wohnt weit draußen. An kalten Tagen liegen manchmal die Hochspannungsleitungen an denen er vorbeigeht unter einer erstarrten Eisschicht und die Straßen sind glatt. Die Fahrt mit der Bahn dauert sehr lange, aber sie gibt ihm Gelegenheit noch ein wenig zu schlafen. Er setzt sich auf einen der freien Plätze, lehnt sich zurück und schließt langsam die Augen. Noch fünfzehn Minuten ist er dann aber zumeist wieder wach. Auch wenn er auf dem großen Friedhof am Ende der Stadt ankommt, ist es im Winter noch stockdunkel. Er ist der erste hier, schließt vorne die Türe auf und beginnt mit seiner Arbeit. Wege überprüfen und wenn nötig streuen. Das ist eine der ersten Aufgaben mit denen sein Arbeitstag beginnt. Irgendwann erwacht der Tagt, es wird hell und die Sonne zeigt sich. Seit drei Jahren geht der dieser Tätigkeit auf dem städtischen Friedhof schon nach und sie macht ihm immer noch Spaß. Es ist eine Alternative zu Hartz IV und Arbeitslosigkeit. Vor fünf Jahren hatte er seine Arbeit verloren, die gut bezahlte Stelle als Industrieschweißer. Er war krank geworden, beinahe erwerbsunfähig, aber eben nicht ganz. Für die kleineren Arbeiten hier reicht es noch. Er liebt diesen Job, hat nahezu freie Hand, ist sein eigener Chef. Die Dinge laufen gut hier. Die Arbeit lässt ihn die weite Anfahrt und das frühe Aufstehen schnell vergessen. Er kommt unter die Leute, hat Kontakt zu Menschen. Das liebt er. Früher, da sass er von morgens bis abends auf der Couch, sah fern, aß Chips und trank Bier. Sein Leben hatte nun endlich wieder einen Sinn bekommen, auch wenn der darin bestand im Sommer Unkraut zu jäten und Wege zu harken und im Winter Schnee zu räumen und Split zu streuen. Aber Hauptsache Arbeit. Geld gibt es, auch wenn es nicht viel ist. Er kann davon gut leben, ist sparsam und bescheiden. Ein Bier nach Feierabend, einmal in der Woche Essen gehen. Das sind die Dinge, die er nicht missen möchte und auch nicht missen muss. Ein neuer Tag legt sich über den Friedhof. Die ersten Besucher kommen. Manche von ihnen sind hier wegen anstehenden Trauerfeiern, manche wollen einfach nur ihre Lieben besuchen. Alle unterhalten sich gerne mit ihm, haben ein paar Worte übrig, wenn sie diesen Ort wieder verlassen. Das “Untermenschensein” ist es, was er so mag. Zudem kann er sich nicht vorstellen in irgendeinem modrigen Büro zu sitzen, während draußen die Natur auf ihn wartet. Neugierig blinzelt er in die aufgehende Sonne, als er sich auf den Weg zum Krematorium macht. Der große Schlüsselbund klappert in seiner Hand...Verantwortung für alles hier, aber in erster Linie eben auch gegenüber sich selbst.
bflo - 23. Dez, 09:14
