Kein schöner Ort/Abschied
Mittwoch, 17. Dezember, München
Um diese frühe Uhrzeit liegt der Münchner Ostfriedhof unter einer dicken Nebeldecke. Ich bin viel zu zeitig von zu Hause losgefahren, aus Angst zu spät zu kommen. Es ist erst kurz vor acht und noch keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Mir bleibt also noch etwas Zeit. Ich gehe die Reihe der Gräber entlang, bleibe ab und an kurz stehen und lese einige der Inschriften. Bei einem Kindergrab hält es mich etwas länger und obwohl ich nicht besonders gläubig bin, bete ich. Dan gehe ich langsam zurück zum Krematorium. Der kleine Warteraum ist wahnsinnig überheizt. Insgesamt sind mit mir noch sechs andere Menschen gekommen, um den Toten zu verabschieden. Die Urne wird anschließend nicht beigesetzt. Man versucht immer noch eine Tochter des Verstorbenen in Griechenland ausfindig zu machen. Darum kommt die Urne am Ende des Jahres in ein Sammellager im Keller, wo sie dann erst einmal bleibt, bis klar ist, wer die Kosten trägt. Ob persönliche Grabstelle oder anonymes Begräbnis wird sich dann im Sommer raustellen. Ja, Sterben muss man sich leisten können. Ein Mitarbeiter bittet mich zuerst in die kleine Kapelle des Krematoriums. Ich war die Person, die dem Toten am nächsten stand, also darf ich vor der kleinen Trauerfeier noch einmal persönlich von ihr Abschied nehmen.
Eine kupferfarbene Urne steht auf einem schwarzen Podest, das wiederum auf einer Art Bühne steht. Über das Podest ist ein schwarzes Tuch mit einem weißen Kreuz vorne drauf gelegt. Ein paar mitgebrachte Blumen liegen daneben. Die Urne ist relativ groß, was mich wundert, aber ich kann nicht einschätzen, wie viel Asche von einem Menschen übrig bleibt, wenn er verbrannt ist. Auf dem Deckel des Gefäßes sind Geburtsdatum, Geburtsort, Sterbedatum, Sterbeort und das Datum der Einäscherung (05.12.2008) eingraviert. Ich stehe mit gefalteten Händen vor der Urne. Sie steht mir nun gegenüber, wie mir die Person vor wenigen Wochen selbst noch gegenüber gesessen hat. Wir hatten noch gelacht und Witze gerissen. So schnell kann das im Leben gehen. Nun bleibt nichts als eine Urne voll Asche. Ich bete erneut. Das ist mein persönlicher Abschied. Nicht in Worte zu fassen. Der Mann von der Friedhofsverwaltung kommt, ich gehe ab und alle Trauernden setzen sich auf die Bänke. Dann folgt eine kleine Trauerfeier. Ein Seelsorger spricht ein paar Worte. Wirklich nicht schlecht und äußerst würdevoll. Dann ertönt Musik und der Vorhang der Bühne schließt sich langsam, wie sich auch der Vorhang der Bühne des Lebens schließt. Ich glaube Shakespeare hat einmal gesagt: “Das Leben ist eine Bühne, auf der der Mensch sein Bestes gibt!” Wie wahr. Ich trete hinaus in den erwachenden Tag, der Nebel hat sich verzogen und die ersten Friedhofsbesucher treffen ein. Mit festen Schritten gehe ich Richtung S-Bahn. Das war er also nun mein persönlicher Abschied...für immer.
Um diese frühe Uhrzeit liegt der Münchner Ostfriedhof unter einer dicken Nebeldecke. Ich bin viel zu zeitig von zu Hause losgefahren, aus Angst zu spät zu kommen. Es ist erst kurz vor acht und noch keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen. Mir bleibt also noch etwas Zeit. Ich gehe die Reihe der Gräber entlang, bleibe ab und an kurz stehen und lese einige der Inschriften. Bei einem Kindergrab hält es mich etwas länger und obwohl ich nicht besonders gläubig bin, bete ich. Dan gehe ich langsam zurück zum Krematorium. Der kleine Warteraum ist wahnsinnig überheizt. Insgesamt sind mit mir noch sechs andere Menschen gekommen, um den Toten zu verabschieden. Die Urne wird anschließend nicht beigesetzt. Man versucht immer noch eine Tochter des Verstorbenen in Griechenland ausfindig zu machen. Darum kommt die Urne am Ende des Jahres in ein Sammellager im Keller, wo sie dann erst einmal bleibt, bis klar ist, wer die Kosten trägt. Ob persönliche Grabstelle oder anonymes Begräbnis wird sich dann im Sommer raustellen. Ja, Sterben muss man sich leisten können. Ein Mitarbeiter bittet mich zuerst in die kleine Kapelle des Krematoriums. Ich war die Person, die dem Toten am nächsten stand, also darf ich vor der kleinen Trauerfeier noch einmal persönlich von ihr Abschied nehmen.
Eine kupferfarbene Urne steht auf einem schwarzen Podest, das wiederum auf einer Art Bühne steht. Über das Podest ist ein schwarzes Tuch mit einem weißen Kreuz vorne drauf gelegt. Ein paar mitgebrachte Blumen liegen daneben. Die Urne ist relativ groß, was mich wundert, aber ich kann nicht einschätzen, wie viel Asche von einem Menschen übrig bleibt, wenn er verbrannt ist. Auf dem Deckel des Gefäßes sind Geburtsdatum, Geburtsort, Sterbedatum, Sterbeort und das Datum der Einäscherung (05.12.2008) eingraviert. Ich stehe mit gefalteten Händen vor der Urne. Sie steht mir nun gegenüber, wie mir die Person vor wenigen Wochen selbst noch gegenüber gesessen hat. Wir hatten noch gelacht und Witze gerissen. So schnell kann das im Leben gehen. Nun bleibt nichts als eine Urne voll Asche. Ich bete erneut. Das ist mein persönlicher Abschied. Nicht in Worte zu fassen. Der Mann von der Friedhofsverwaltung kommt, ich gehe ab und alle Trauernden setzen sich auf die Bänke. Dann folgt eine kleine Trauerfeier. Ein Seelsorger spricht ein paar Worte. Wirklich nicht schlecht und äußerst würdevoll. Dann ertönt Musik und der Vorhang der Bühne schließt sich langsam, wie sich auch der Vorhang der Bühne des Lebens schließt. Ich glaube Shakespeare hat einmal gesagt: “Das Leben ist eine Bühne, auf der der Mensch sein Bestes gibt!” Wie wahr. Ich trete hinaus in den erwachenden Tag, der Nebel hat sich verzogen und die ersten Friedhofsbesucher treffen ein. Mit festen Schritten gehe ich Richtung S-Bahn. Das war er also nun mein persönlicher Abschied...für immer.
bflo - 19. Dez, 11:52
