Montag, 15. Dezember 2008

Burger und Glühwein

Freitag, 12. Dezember, München

Weihnachtseinkäufe bedeuten Krieg. Der Weg in die Innenstadt gleicht dem Marsch durch ein Schlachtfeld. Links, recht, überall muss man sich behaupten. Die S-Bahn ist bis zum letzten Platz voll gestopft. Ich stehe zusammengepfercht zwischen Massen von Menschen. Alles drückt und drängelt. Neben mir telefoniert eine junge, gut aussehende Frau, blökt Worte in ihr Mobiltelefon. Gestern zu viel Glühwein getrunken, heute so einen Schädel auf. Wir hatten eigentlich schon genug, aber dann kam noch der Michael und dann waren des noch einmal drei oder vier Becher Glühwein. Sagt sie. Ein Geschäftsmann neben mir unterhält sich ebenso angeregt mit seiner Sekretärin. Diktiert ihr etwas in die Feder, sie schreibt es nieder. Fehler...Bitte korrigieren sie das. Na ja ich bin ja schon einiges gewohnt, habe ein dickes Fell in punkto S-Bahn Gespräche. Dann flutet es mich hinaus aus der Bahn und ich verschmelze mit dem Strom der Masse. Überall ist etwas los, Weihnachtsmänner stehen dumm rum und verteilen Schokolade an eifrige Kaufhausbesucher. Aus allen Boxen dröhnt Musik. Ich schleiche durch die Regale, vorbei an Parfüm, Duschgel und Shampoo. Aber für wen kaufe ich hier eigentlich ein? Wer bedeutet mir etwas? Wem schenke ich etwas? Gedankenverloren und wie in Trance greife ich wahllos in eines der Regale. Ich greife einen schönen Flakon, stelle ihn aber sogleich wieder zurück. “Eternal love”. Das brauche ich absolut nicht. Mein Blick wandert weiter, streift die Auslagen. Ich bin ratlos. Ohne etwas gekauft zu haben, verlasse ich schließlich das Geschäft wieder. Nachdenklich bin ich geworden, stelle mein Handeln in Frage. Bei einer der großen Fastfood-Ketten esse ich seit sehr langer Zeit einmal wieder einen Hamburger. Ich bin froh kurz sitzen zu können, um mich auszuruhen. Genussvoll beiße ich in meinen Burger und kaue angeregt. Alles ist festgefahren, die Spielräume sind ausgereizt. Ich bewege mich als Grenzgänger durchs Leben, immer am Rand. Ich kann jederzeit abstürzen, das ist immer ein Risiko. Man muss wachsam sein. Zudem aber auch eine Chance. Ich kann versuchen, wieder weiter nach innen zu kommen. Der Weg wird kein leichter, wird lange und steinig werden. Dann noch ein Glühwein auf dem Christkindelmarkt. Der haut gut rein, ist recht stark und ein Burger als Grundlage ist auch nicht gerade so üppig. Gedankenverloren lehne ich an einem der Tische und starre auf eine der bunten Marktbuden.

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